Eine Ratte frisst Nutella

„Wenn ich mal groß bin, mache ich was ich will!“

Eine Ratte frisst Nutella

Zum Thema: Unabhängigkeit

Kennen wir nicht alle diesen Satz aus unserer Kindheit? Immer wieder gab es Verbote unserer Eltern, nie durften wir das machen, was wir wollten. Ich erinnere mich noch gut, dass ich immer das Glas Nutella mit dem Löffel auslöffeln wollte. Mein Gesicht beschmiert bis hinter beide Ohren, was für ein Genuss! Alleine der Gedanke lässt mich heute noch schmunzeln.

Als Erwachsener stellen wir fest, dass wir weiterhin bestimmte Regeln befolgen müssen. Im Straßenverkehr bleiben wir bei Rot an der Ampel stehen, beim Stoppschild halten wir. Wir befolgen die Straßenverkehrsordnung. Im Arbeitsleben befolgen wir Weisungen, erfüllen Vorgaben, sagen einen geschäftlichen Termin ab, wenn wir ihn nicht einhalten können. Wir halten uns an die Gesetzgebung. Auch im Privatleben beeinflussen Zwänge, die uns von anderen vorgegeben werden oder von den wir meinen, dass wir ihnen folgen müssen, unsere Entscheidungen. Bei Einladungen bringen wir ein Gastgeschenk mit, oftmals weil wir glauben, dass es von uns erwartet wird und nicht weil es von Herzen kommt. Wir erfüllen Erwartungen, weil wir andere nicht verletzen wollen. Die pflegebedürftige Mutter pflegen wir, weil wir es versprochen oder gar geschworen haben.

Was macht das Leben da mit uns? Können wir überhaupt die totale Kontrolle über unser Leben haben oder ist das mit der Kontrolle eher eine Illusion?

„Wenn du immer an die Hand genommen wirst,

hast du nur noch eine Hand frei.“

[Volkmar Frank (*1962); Dichter und Aphoristiker]

Wir sind stark geprägt von dem, was wir auf dem Weg ins Erwachsenenalter erlebt und erfahren haben. Einfluss haben die Erziehung im Elternhaus, der Umgang mit Geschwistern, die Oma und der Opa, Onkel, Tanten, Kindergarten- u. Schulerfahrungen und nicht zuletzt das soziale Umfeld. Waren wir da immer Safe? In unserem späteren Erwachsensein spiegeln sich diese Erfahrungen in unserer Persönlichkeit und darin steckt sehr viel mentale Abhängigkeit.

Wie agieren wir also, wenn wir uns selbst abhängig fühlen oder wenig Selbstvertrauen entwickelt haben? Wir schauen nach denen, die es haben. Hier lauert eine große Gefahr. Das kann uns in eine Art emotionale Abhängigkeit und Verletzlichkeit führen, die uns leider allzu oft erst viel später klar wird.

Segelschiffe mit Zitat Aristoteles zum Thema Unabhängigkeit und "Wenn ich groß bin mache ich was ich will"

Zitat: Aristoteles Foto: Yanlev/Fotolia

Wie unabhängig sind wir?

Zwischen den beiden Polen „Selbststeuerung“ und „Fremdsteuerung“ bewegen wir uns ständig hin und her. Wäre es nicht schön, wir würden endlich unseren eigenen Kompass finden, der uns durch unser Leben navigiert? Es drängt sich die Frage auf: Ist Fremdsteuerung generell etwas Schlechtes? Ist es schlimm, wenn wir uns auf die Urlaubsidee des Partners einlassen, oder wenn wir ein Vorbild haben, an dem wir uns orientieren? Ganz sicher können dies wertvolle Navigationshilfen sein, um auf dem großen Ozean des Lebens sicher zu segeln. Sollte es unser Ziel sein, unser Leben völlig ohne fremde Hilfe zu meistern, um nicht in eine Art Abhängigkeit zu geraten? Ganz sicher nicht! Ein gutes soziale Netz, Familie und Freunde stützen uns und geben uns Sicherheit. Je besser wir uns selbst kennenlernen, umso besser können wir unseren eigenen Kompass feinjustieren.

Who am I – Wer bin ich?

Um in einen Auseinandersetzungsprozess mit sich selbst zu gehen, können wir uns Fragen stellen, wie:

  • Wer bin ich?
  • Was will ich?
  • Wo will ich hin?
  • Wie steht es mit meiner Eigenliebe?
  • Vertraue ich mir selbst?

Und da sind wir wieder beim Thema „Loslassen“. Wenn wir erkennen wie wir ticken, können wir diese Themen besser verstehen, akzeptieren und loslassen, um etwas Neues zu beginnen. Die Kompassnadel bewegt sich mehr zum SELBST, das macht freier im Denken und im Tun. Der Weg in die Unabhängigkeit wird geebnet.

Text: Is too late yesterday is over now is exactly the right moment

Inspirationen einer Zuckertüte! Foto: Pia Forkheim

10 Tipps – So navigieren Sie Ihren eigenen Kompass

  1. Führen Sie ein Bewegungs- und Verhaltenstagebuch. Nehmen Sie sich jeden Tag zehn Minuten Zeit und schreiben Sie auf, was Sie gemacht haben und wie Sie sich verhalten haben. So erkennen Sie eher Ihre eigenen Muster. Kurz und knapp reicht völlig aus!
  2. Finden Sie zunächst heraus, wie Sie Ihre Selbstbestimmung, Ihre Unabhängigkeit leben wollen. Stellen Sie sich selbst Fragen (Selbstgespräche). Will ich es so, oder doch lieber anders? Wie müsste es sein, damit ich mich wohlfühle, damit es für mich stimmig ist?
  3. Legen Sie nun Ihre Fokussierung auf das, was Sie herausgefunden haben. In diesem Job will ich nicht mehr länger arbeiten! Dann gehen Sie diesen Weg. So aktivieren Sie Ihre Selbstbestimmung! Ich will nicht mehr länger akzeptieren, dass meine Kollegin so ein Chaos hinterlässt. Erkennen Sie die Fremdbestimmung. Finden Sie heraus, was sie daran stört und gehen Sie dann den Weg der Selbstbestimmung.
  4. Halten Sie sich von negativen Menschen fern, ohne in die Bewertung zu gehen. Erlauben Sie ihnen, so zu sein, wie sie sind.
  5. Vertrauen Sie darauf, dass es immer ein Weg oder eine Lösung geben wird, auch wenn Sie sie noch nicht kennen.
  6. Sie sehen überall Risiken? Fragen Sie sich: „Was wäre, wenn ich meine Komfortzone verlasse?“.
  7. Sie machen sich viele Sorgen? Fragen Sie sich: „Was wäre das Worst-Case-Szenario“? Oft stellen Sie fest, dass Ihr Kopf Kino wieder mal „Hollywood“ gespielt hat und alles gar nicht so schlimm ist.
  8. Lernen Sie den achtsamen Umgang mit sich selbst.
  9. Gehen Sie mal wieder in die Natur und lernen Sie von den Gesetzen der Natur!
  10. Finden Sie Ihre innere Stille – meditieren Sie und wenn es nur 2 Minuten täglich sind. Steigerungen sind immer möglich!

Viel Freude, beim navigieren Ihrer Kompassnadel in die Unabhängigkeit.

 

[Beitragsfoto: Pixabay]

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