Auf dem Bild sieht man eine Feder und eine Muschel im Sand. Auf dem Bild steht fortune de mer.

Rückzugsort Ferien

Auf dem Bild sieht man eine Feder und eine Muschel im Sand. Auf dem Bild steht fortune de mer.

Die große Herausforderung einfach mal nix tun!

Kurz bevor wir in diesem Jahr in unseren Sommerurlaub fuhren, war Meike Winnemuth in der NDR Talkshow. Sie plauderte über ihr aktuelles Buch und ihre Projekte. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an das Buch, das ich vor einigen Jahren von meiner Freundin zum Geburtstag geschenkt bekam: „Das große Los – Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“. Mein Mann sagte, das habe ich als Hörbuch. Das können wir auf der langen Fahrt in die Bretagne hören. Und los ging die Fahrt mit sieben CDs. So bereiste ich neben atemberaubenden Landschaften, Städten und Dörfern der Bretagne, zwölf weitere Städte. Darunter Addis Abeba, Havanna und Buenos Aires, sie klingen einfach besonders abenteuerlich. Länder, die ich wahrscheinlich nie in meinem Leben kennenlernen werde. Vielleicht im nächsten Leben, oder doch noch? Wer weiß das schon?

Was für ein Vergnügen sich ständig neu entscheiden zu können

Auszüge der Weltliteratur, von Thomas Mann, Ernest Hemingway, Max Frisch und weiteren bedeutenden Autoren, lassen immer wieder erahnen, dass die Welt niemals neu erfunden wird, sondern sich alles wiederholt. Ihre Sprache, ihr Ausdruck und ihre Stimme finde ich einfach wunderbar erfrischend und es war mir keine Sekunde langweilig. Die Welt voller Möglichkeiten zu sehen und alles anders zu machen, klingt irgendwie verlockend. Dass wir jeden Tag, ja sogar jede Minute, die Möglichkeit haben neu für uns zu entscheiden, erinnerte mich an die Sorgen und Gedanken, mit denen manche Klienten zu mir in meine Praxis kommen. Meike hat eine sehr humorige Bildsprache, die einfach neugierig macht. Nur allzu oft entdecke ich mich selbst in diesem Buch wieder. Sie macht Mut, neue Dinge auszuprobieren und gelassen abzuwarten was passiert. Eins ist sicher, es passiert immer etwas!

Einfach mal sein Leben für ein Jahr auf dem Seitenstreifen zu parken, hört sich jedenfalls verdammt gut an. Es passieren die tollsten Sachen, wenn man sie nur lässt. Vielleicht müssen wir auch keine Weltreise machen, um uns wieder selbst besser kennenzulernen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, sich ganz einfach neu entdecken. Das habe ich jedenfalls gemacht in meinen Ferien.

Fortune de mer – Das Glück des Meeres

Barfuß im eiskalten, türkisblauen Atlantik zu spazieren und dabei dem Rauschen der Wellen zuzuhören. Wie in einer Art Reinigungsprozedur habe ich einfach alles versenkt, was ich ab sofort nicht mehr brauche, nicht mehr will und überhaupt. Da war plötzlich der Wasserrohrbruch zwei Tage vor der Abreise, die Reparatur eines elektrischen Rollladens drei Tage vor der Abreise und die Heizungspumpe, die ersetzt werden musste, eine Woche vor der Abreise, ganz, ganz weit weg. Seit langer Zeit habe ich wieder einige neue Gedichte geschrieben und ein Reisetagebuch allabendlich in mein Handy getippt. Zum ersten Mal im Leben habe ich einen Hummer verspeist. Das war ein echtes Erlebnis! Aber nur, weil das „Entrecôte mit Fritten“ im Restaurant „L‘ Amiral“ aus war, das Kommissar Dupin dort üblicherweise speist. Wäre ja auch ein schlechter Schnitt, wenn jeder Tourist ein Entrecôte für 22 € bestellt, wo man doch mit einem dreigängigen Hummer-Menü schlappe 41 € Umsatz machen kann. Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Eine davon war Marie-André, die mir gezeigt hat wie man eine echte Crème brûlée mit Zuckerkruste zubereitet. Mein minimales Französisch konnte ich um einzelne Wörter aufstocken. Endlich verstehe ich, wann ich „trés bon“ und wann ich „trés bien“ sagen muss.

Wie mein Kopf langsam leer wurde

Irgendwann, als mein Kopf dann ganz leer war, kam mir die Idee zu einem Tagesworkshop. Der Titel könnte lauten: „Wie du dein eigener Glückskeks wirst!“. Das klingt lustig, ich musste dabei laut lachen, trifft’ s jedoch auf den Punkt. Warum also nur im Urlaub glücklich sein und nicht auch zu Hause? Hat zwar nichts mit Business Zielen, höher, weiter, schneller zu tun, kann aber doch ein „Aha-Erlebnis“ in Sachen persönlicher Entwicklung auslösen. Eben hin zum Glück! Wir nehmen uns jeden Tag mit ins Büro und kann es da Schaden, wenn wir glücklich sind?

„Wäre das Wort DANKE das einzige Gebet, das du je sprichst,
so würde es genügen.“

[Zitat: Meister Eckardt, dt. Mystiker, Provinzial Dominikaner]

Ich bin jedenfalls sehr glücklich und voller Dankbarkeit wieder gekommen, auch ohne Weltreise. Schließlich kenne ich Menschen, die diesen Fleck der Erde, der ab sofort zu meinen schönsten Plätzen zählt, nicht bereisen, nur weil sie die Sprache nicht sprechen. Jeden Tag hatte ich die Möglichkeit mich neu zu entscheiden und ich war immer wieder überrascht. Ich habe gespürt, wie es sich anfühlt, wenn man gut aufgehoben ist, sicher und behütet. Und wie wichtig mir die Natur ist, erst recht, wenn sie Kilometer lange Sandstrände, Wind und Wellen hat. Von den viergängigen Menüs einmal völlig abgesehen, die deutlich mehr Wörter zählen als unsere deutschen Speisekarten. Einmal habe ich ein Menü verspeist, das aus 68 Wörtern bestand! Da kommen „Schnitzel mit Pommes und Salat“ nicht mit! Mit all diesen Erlebnissen fahre ich aufgefüllt wie ein Heißluftballon, der am Himmel schwebt, nach Hause. In mein Büro, in meine Praxis, in mein Privatleben und freue mich auf die Bretagne Erinnerungen, die sich sicher demnächst in meine Gedanken einschleichen werden.

Auch nach so langer Zeit, immer noch ein sehr empfehlenswertes und heiteres Buch, besonders als Hörbuch!

Ich wünsche Ihnen allen schöne Sommerferien – Ihre Pia Forkheim

[Foto: Pia Forkheim]

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