Diese Woche war der Gärtner da. Und mit ihm die schonungslose Wahrheit über meinen Garten: Der Giersch hatte übernommen. Überall. Zwischen den Stauden, unter den Rosen, mitten im Beet. Wenn ich anderen davon erzähle, bekomme ich meistens gut gemeinte Tipps: „Daraus kannst du Smoothies machen.“ „Schmeckt wie Spinat.“
Ganz ehrlich — ich war kurz davor, ein Schild an die Tür zu hängen: Giersch pflücken ausdrücklich erlaubt. Doch in meinem Garten wächst so viel davon, dass ich ihn unmöglich aufessen könnte.
Der Gärtner half mir, wenigstens einen Teil des Beetes zu befreien. Danach: nichts. Nur noch blanke Erde. Und sofort kam dieser vertraute Gedanke: Was pflanze ich jetzt dahin?
Doch der Gärtner sagte nur: „Der Giersch kommt sowieso wieder. Immer wieder raus machen, bis er keine Kraft mehr hat.“
Ich musste lachen. Weil ich plötzlich dachte: Wie viele Gedanken in uns funktionieren genauso?
Diese alten Geschichten. Zweifel. Sorgen. Innere Unruhe. Wir glauben oft, wir müssten sie ein für alle Mal loswerden. Komplett beseitigen. Ordnung schaffen im Kopf. Fertig. Aber manche Dinge verschwinden nicht sofort. Sie tauchen wieder auf. Immer wieder. Und vielleicht besteht die Kunst nicht darin, alles perfekt „wegzubekommen“. Sondern freundlich dranzubleiben. Wahrzunehmen. Auszuzupfen. Weiterzugehen.
Dann sagte der Gärtner noch etwas, das mich berührt hat: „Bald ist Sommersonnenwende. Danach wird das Licht schon wieder weniger. Die Pflanzen ziehen sich langsam zurück. Dann verliert auch der Giersch seine Kraft.“ Aha, dachte ich.
So ist das also. Nicht alles braucht Kampf. Manches verliert seine Macht ganz von allein, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Da fallen mir die Zeilen von Jan Frerichs ein, der es auf den Punkt trifft:
„Die Jahreszeiten haben keine Eile.
Sie kommen und vollenden sich in ihrem eigenen Rhythmus.
Kein Drängen, kein Beschleunigen.
Kein dauerhaftes Wachstum um jeden Preis.
Sondern geduldiges Werden und Vergehen und Wiederwerden —
das ist genug. Lass es gut sein.“
In diesem Sinne – Lass es gut sein!
