Felix Nmecha hat mich in einem Interview nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Curaçao tief beeindruckt. Nach dem Abpfiff standen die Spieler im Kreis, und der Reporter fragte ihn, was dieser Moment zu bedeuten habe.
Nmecha sagte:
„[…]Wir sind halt im Spiel alle Gegner, gegeneinander
und nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder.
Dann haben wir halt alle ein kleines Gebet zusammen gemacht,
weil wir immer noch sehr dankbar sind […]“
Was mich daran berührt hat, ist nicht nur das Gebet selbst, sondern die Haltung, die darin sichtbar wird: Nach dem Wettbewerb, nach dem Gegeneinander, kommt ein Moment der Verbundenheit und des Innehaltens. Ein Moment, in dem Menschen sich nicht über Leistung, Herkunft oder Rollen definieren, sondern über Dankbarkeit und gegenseitigen Respekt.
Diese Haltung hat mich an einen jungen Mann aus meinen Klosterseminaren erinnert. Er hatte gerade erst ein Team von 40 Personen übernommen und wollte sich die Kraft für diese neue Verantwortung aus dem Kloster holen. Es war ein bewusster Akt der inneren Auseinandersetzung. Ich sehe ihn noch heute am Klosterbrunnen in Maria Laach sitzen, wie er sein persönliches Haltungsziel formulierte.

…im InnenhofEr wollte sich an diesem Ort „einstimmen“ auf seine künftige Aufgabe. Auch das gemeinsame Mittagessen mit den Patres bedeutete ihm viel – ein Moment der Begegnung, der Ruhe und der Besinnung. Heute, als „Head of …“, denkt er vielleicht manchmal an diese Zeit zurück.
Über Gebete spricht man in der Öffentlichkeit heute nur noch selten. Vielleicht, weil viele Menschen Religion sehr persönlich verstehen oder andere Zugänge zu Sinn und Orientierung gefunden haben. Umso bemerkenswerter ist es, wenn jemand wie Nmecha öffentlich darüber spricht. Denn letztlich geht es um mehr als um ein Gebet: Es geht um Achtung, Haltung, Dankbarkeit und (Nächsten-) Liebe.
Sind das nicht Werte, die wir gerade heute alle brauchen?
