Freude am Dingsbums?

Freude entdeckenDas Dingsbums steht in diesem Falle als Platzhalter für jegliche Freude. Die strahlende Freude, die stille Freude, die überschäumende Freude, die erfüllende Freude, die anschwellende Freude etc. pp., nämlich der Freude an der Sache. Diese Redewendung stammt von Friedrich Nietzsche. Was könnte er wohl damit gemeint haben? Vielleicht ist das mit der Freude an der Sache ja bei Ihnen gerade eher etwas ins Stocken geraten? Erinnern Sie sich doch wieder einmal daran, wo Sie in Ihrem tiefsten Inneren Purzelbäume schlagen, wenn Sie sich freuen?

„Erinnerungen sind wie kleine Glücksschaufenster, an denen wir jetzt vorbeilaufen können“, so lautete diese Woche einer meiner Facebook Posts. Natürlich gibt auch schlechte Erinnerungen, doch von denen rede ich heute einmal nicht.

„Die Freude ist letztendlich immer eine Qualität der eigenen Seele. Und eine Sache bringt mich nur in Berührung mit der Freude, die in mir ist“, so Pater Anselm Grün. Bitte lesen Sie diesen Satz noch einmal! Spüren Sie in Ihre eigene Seele hinein, wie sie das wohl versteht? Unsere Seele will sich berühren lassen und Erfahrungen sammeln, die unter die Haut gehen. Sie will unser Gehirn austricksen, damit der Verstand endlich Ruhe gibt.

Geschenke sind nicht immer ein Glückstreffer

Hier ein Beispiel: Kürzlich verschenkte ich ein Buch mit bemaltem Cover und leeren Seiten. Dazu bin ich extra in die Stadt gefahren, um nach einem passenden Buch zu suchen. Ich wollte es einer Bekannten schenken. In den beigefügten Brief habe ich viele wärmende und trostspendende Worte für ihre derzeitige Situation geschrieben. Ich motivierte sie, schöne Erinnerungen in dem Buch kurz festzuhalten. Vielleicht ein altes Foto, was ihr in die Hände fällt oder die Aussage der Enkelin, die meinte: „Wir müssen leise sein, da der Opa ja jetzt im Himmel ist“.

Ihr ganzes Leben schrieb meine Bekannte schöne Postkarten aus den Ferien. Jedes freie Plätzchen nutzte sie aus, damit auch alles darauf passte. Ich fand meine Idee, ein Schätze-Buch anzulegen, großartig! Doch was passierte? Sie schickte mir das Buch zurück. Sie könnte es nicht gebrauchen. Ein Tagebuch hätte sie ihr ganzes Leben nicht geschrieben und nun sei sie zu alt, jetzt brauche sie das auch nicht mehr. Um ehrlich zu sein, ich war geschockt und auch ein wenig enttäuscht. Erkannte sie nicht den eigentlichen Wert dieses Geschenkes?

Wenn die Seele die Freude nicht sieht

Ich konnte ihr damit keine Freude an der Sache schenken. In ihrer Seele gab es dazu keine Verbindung. Auf die Idee es ihrer Enkeltochter zum Malen zu schenken, oder es einer Freundin weiter zu schenken, kam sie offensichtlich nicht. Sie sah auch nicht, wie lange ich mir für meinen Brief und Geschenk Zeit (für sie!) genommen hatte. Es rührte ihre Seele nicht. In ihrer Seele gab es keine Freude an der Sache. Die Freude ist nicht abhängig von Geschenken, doch sie hätte sie in sich hervorlocken können.

Freude ist inneres Gestimmtsein

Wenn wir uns bewusst werden, dass wir selbst die Macht über unsere Freude haben, geht uns vielleicht ein Licht auf. Es ist ganz allein unsere Sache, ob wir wütend sind, uns ablehnen oder ob wir uns freuen. Es ist die Freude an uns selbst, die Sache bringt uns nur in Berührung mit der Freude. Die Freude an mir selbst gehört nur mir! Stehlen kann sie uns niemand, nur wir selbst. Vielleicht sollten wir einfach mal wieder etwas genauer hinschauen, was da in uns genau passiert. Plötzlich ist die Freude weg und wir fragen uns, wo sie geblieben ist.

Tief in uns drinnen lässt die Freude eine Saite anklingen, die uns freudig stimmt. Wenn wir die Saite einer Gitarre anstimmen, macht sie alleine nicht den Klang, sondern sie ist nur der Auslöser. Der Klang entsteht im Resonanzkörper der Gitarre. So ist es auch in uns: Ein Geschenk, ein freundliches Wort, eine Anerkennung für unser Tun, weckt in unserem Resonanzkörper die Freude. Es ist also nicht das Geschenk selbst. Irgendetwas tief verborgenes löst diese Freude aus. „Freude ist ein inneres Gestimmtsein!“ Da gebe ich dem Pater recht.

[Inspiriert durch einen Text: Auf dem Grund meines Herzens, von Pater Anselm Grün. Buch: Die Stille beginnt in dir.]

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