Würde – nach einem Radiointerview in HR1-Talk mit Dr. Gerald Hüther

Würde – hm?

Kürzlich folgte ich dem Hirnforscher Gerald Hüther in einem Radiointerview auf Hr1-Talk. Ich mag seine unkomplizierte Art wie er über das komplexe Thema „Hirn“ spricht. Auch seine YouTube-Videos überzeugen durch Authentizität und Humor.  Aktuell stellt er sein neues Buch vor „Würde – Was uns stark macht als Einzelne und als Gesellschaft“. Ich dachte zunächst „Würde“, welch ein uraltes Wort. Gibt es das überhaupt noch? Im Grundgesetz im ersten Artikel verankert und bekanntlich unantastbar. Doch wer macht sich in der heutigen Zeit noch Gedanken über „Würde“? Nun ja, „würdevolles Sterben“ hörte ich zuletzt, als mein Schwiegervater starb.  Aber sonst? Ich wüsste nicht, dass mir dieses Wort irgendwo, irgendwann zu einem anderen Zeitpunkt einmal über den Weg gelaufen ist. Es ist, als wäre es aus unserem Wortschatz verschwunden. Würde hat etwas mit Selbstachtung, Stolz, Ehre und mit Werten zu tun, also etwas, mit dem wir täglich im Zusammenleben und –arbeiten konfrontiert werden. Würde erlebt also gerade eine Renaissance.Großartig!

Wie wird man würdevoll?

Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir Menschen ein Bild von uns selbst über unser neuronales Netzwerk. Doch wie wird man würdevoll? Hüther sagt, es gibt keine Würde, es sei ein Zentrum im Hirn. Würdevoll wird man, wenn wir uns selbst noch andere zum Objekt machen. Menschen haben eine Subjekthaftigkeit, so Hüter, wir sind gleichberechtigte Lebewesen, Menschen, Natur, Tiere. Jetzt springt mein Hirn an und denkt an den Taoismus, mit dem ich zum ersten Mal in meiner IDOGO®-Trainer Ausbildung konfrontiert wurde. Eine der drei philosophischen Schulen von Qi-Gong, in der gerade die Naturgesetze einen hohen Stellenwert einnehmen.

Öfter mal „WU-WEIEN“

Interessant ist auch die Tatsache, dass unser Hirn gar nicht so sehr interessiert ist am Denken, sondern eher auf Energie einsparen ausgerichtet ist. Zwanzig Prozent der bereitgestellten Energie gehen bereits im Ruhezustand verloren. Also, wenn wir zum Beispiel schlafen oder einfach nichts tun. Hüther sagt, dass das Grundprinzip des Gehirns die Organisation und die Arbeitsweise auf Kohärenz, wenn alles zusammen passt, ausgerichtet ist. Dies ist ein Zustand, in dem ganz wenig Energie verbraucht wird. Wenn wir einen Zustand erreichen, in dem einfach alles stimmt, Freunde Familie, Natur, wenn wir kosmisch verbunden sind, dann passt alles, dann verbrauche man keine Energie mehr. Diesen Zustand gibt es jedoch nicht, erst wenn wir Tod sind. Das Leben zeichnet sich dadurch aus, dass es nie passt, sondern das man versucht, es wieder passend zu machen. Dem Hirn ist es eigentlich egal, Hauptsache es passt wieder, erläutert Hüther. Unser Hirn bevorzugt grundsätzlich die schnelle Lösung. Bei meinen Coaching-Klienten und im IDOGO®-Training, ist gerade Leerlauf im Gehirn immer wieder ein starkes Thema. Die Chinesen nennen diesen Zustand „Wu-Wei“, es bedeutet „Tun durch Nichtstun“.

Potenzialentfaltung

Dies ist immer wieder Thema in Coaching Sitzungen. Wie schafft man es, sein eigenes Potenzial zu entfalten? Ganz sicher funktioniert es nicht, wenn man unter Druck gerät. In unserem Hirn ist viel Potenzial angelegt erfahren wir, doch es nutzt nur das, was es tatsächlich braucht, der Rest „schrumpelt wieder weg“. Eine lustige Vorstellung, wie ich finde, sehr clever unser Gehirn. Wenn wir lernen, unseren Bedürfnissen wieder Raum zu geben haben wir bereits sehr viel erreicht. Unser Körper, unser Hirn, also unser Bewusstsein/Geist, und unser Atem sind untrennbar miteinander verbunden. Stress im Kopf äußert sich daher auch sehr schnell auf der Körperebene. Haben wir Bauchschmerzen, geht es auch dem Kopf nicht gut. Zur Potenzialentfaltung gehören u.a. die Beziehungen zu anderen Menschen, die uns weiterbringen im Leben. Allein die Frage: „Was würde mein Hirn tun, gäbe es die anderen Hirne nicht?“, finde ich sehr nachdenkenswert. Demnach kann man Glück nur erreichen, wenn man auch das Unglück kennt. Und was die X und Y Chromosomen bei Mann und Frau ausmachen, hören Sie am besten selbst. Es ist köstlich!

Hier können Sie den Beitrag von Gerald Hüther im hr1-Radio noch einmal nachhören.

Ich wünsche Ihnen allen einen würdevollen Umgang miteinander.

[Foto: Pixabay]

 

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