Auf dem Foto ist ein Fährschiff zu sehen und ein Segelschiff auf der Ostsee zu sehen

Wie uns Hippos und Seepferdchen auf Trapp halten

Auf dem Foto ist ein Fährschiff zu sehen und ein Segelschiff auf der Ostsee zu sehen

Hirn macht Urlaub

Haben sie eine Ahnung davon, wie lange unser Kurzzeitgedächtnis Dinge speichert? Exakt 1 Minute! Hätten Sie’s gewusst? Während unser Langzeitgedächtnis unser ganzes Leben erhalten bleiben kann, fristet unser Kurzzeitgedächtnis eher einer kurzen Überlebensdauer. Es widmet sich lieber den Dingen die uns gerade beschäftigen wie z. B., wenn wir unsere Urlaubsreise planen: Föhn nicht vergessen, den Jungs den Fußball einpacken, Badesachen, Surfbrett, der Putzfrau den Schlüssel übergeben, dem Team unbedingt noch sagen, dass es dies und jenes nicht vergessen soll, usw. Futter fürs Kurzzeitgedächtnis! Unser Kurzzeitgedächtnis ist ein sogenanntes „Arbeitsgedächtnis“, es denkt, damit sich unser Langzeitgedächtnis später erinnern kann. Klingt kompliziert? Interessant ist, dass es sich nur maximal vier Posten behalten kann, dann ist es erschöpft. Es verarbeitet rasch sein Futter. Da wir aber ständig für Neues sorgen, ignoriert es einfach alles Unwichtige oder es verblasst. Verlassen sollte man sich auf dieses Speichermedium jedoch nicht unbedingt, manchmal benutzt es leider für Wichtiges einfach die „Delete-Taste“. So, wenn wir beispielsweise in einem Zimmer stehen und überlegen, was wollte ich hier gerade? Mist, weg!

Es waren mal sieben

Laut „Millers Gesetz“ in den 1950er Jahren glaubte man, es seien sieben Posten, doch das haben die Neurobiologen inzwischen widerlegt. Daher eignet sich unser Kurzzeitgedächtnis nicht für langfristiges Merken. Ist ja klar, warum sollen wir uns auch Dinge wie: Fön, Fußball, Badesachen einpacken, langfristig behalten? So wird jedoch schnell deutlich, wie wir unser Hirn überfrachten, wenn wir uns ständig mit Kleinkram beschäftigen. Es erklärt, warum unser Hirn im Urlaub einfach mal Urlaub macht, weil da gibt’s ja nix, was es sich unbedingt behalten muss. Zumindest bei mir nicht, aber da komme ich gleich nochmal hin. Unser Kurzzeitgedächtnis ist schnell und sortiert ruck zuck aus, brauche ich – brauche ich nicht. Wenn wir es ständig strapazieren, indem wir es mit Informationen regelrecht bombardieren, sei es durch Fernsehen, Facebook, Twitter, Instagram, Blog lesen, Buch lesen und all die anderen Dinge, dann macht es einfach schlapp. Es braucht eine Pause. So bin ich auf die Idee gekommen, „Leerlauf im Kopf“ anzubieten.

Bevor das Hirn explodiert

Zum Glück arbeiten die zwei Gedächtnisse eng zusammen, sonst wär‘ uns wahrscheinlich längst das Hirn explodiert. Deshalb müssen wir uns beim Koffer packen nicht ständig verbiegen, denn unser Langzeitgedächtnis springt an und erinnert sich an Fön, Fußball etc. Alles perfekt, alles im Griff! Es hat einfach über die Jahre gelernt, was wir für einen erholsamen Urlaub alles brauchen und für die Anderen gibt’s ja noch to do Listen.

Was denn noch alles?

Dann gibt es da noch das Broca-Sprachzentrum und das Wernicke-Areal, Neuronen und Synapsen, Neurotransmitter, Rezeptoren und Membranen. Doch machen Sie mal Pause! Schalten Sie mal ab! Ich habe jedenfalls meinem Hirn Schiffe gegönnt. Von morgens bis abends. Ich war an der Ostsee und habe von meinem Liegestuhl aus allerlei Schiffe an mir vorbei schippern lassen. Dies hat sowohl mein Kurzzeitgedächtnis als auch mein Langzeitgedächtnis mächtig entspannt. Allerdings freue ich mich schon jetzt darauf, was mein Langzeitgedächtnis sich dennoch alles behalten hat. Wofür es sogenannte „Tags“ im Hippocampus gesetzt hat (das sind die zwei Seepferdchen ähnlichen Gebilde, die sich in Höhe der Ohren befinden und wo neue Erinnerungen abgelegt werden, bevor sie in den Kortex wandern. Muss man sich nicht behalten!) Wird es eher die Aida Cara sein oder das MSC Kreuzfahrtschiff? Die alte romantische Kogge mit ihrem prächtigen bunten Segel? Das U-Boot, das wie ein alter rostiger Walfisch aus der Ostsee geschaut hat oder doch eher die Jungs, die vor unserer Terrasse Fußball gespielt haben und ein Tor nach dem anderen schossen, während die Deutschen gegen Mexiko 1:0 verloren haben? Ich bin gespannt – seien Sie es auch! Beobachten Sie einmal rückblickend, was ihr Hirn anscheinend für wichtig hielt und ins Langzeitgedächtnis geschaufelt hat, ich muss jedenfalls manchmal schmunzeln.

Eins steht fest, in meinem nächsten Leben werde ich Neurobiologin. Dieses Gebiet ist einfach mega spannend. Es hilft mir, Themen mit denen ich tagtäglich in meinen Coachings konfrontiert werde besser verstehen und einordnen zu können.

Ich wünsche allen schöne Sommerferien und gute Erholung. Für alle, die in den Ferien zu Hause bleiben biete ich als ganzheitliche Coach zwei Sommerspecials an, die ebenfalls das Hirn entspannen: „Leerlauf im Kopf“ und „IDOGO-Schnuppertraining“. Hier jubelt der Geist und der Körper entspannt sich!

Ihre Pia Forkheim

[Quelle/Anregung: Unser verrücktes Gehirn – über Blackouts, Aberglaube, Seekrankheit – wie uns das Gehirn austrickst. Von Dean Burnett aus dem C. Bertelsmann Verlag. Sehr zu empfehlen! ]

[Foto: Pia Forkheim]

 

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